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„Frühes Erkennen könnte 90 Prozent aller Darmkrebsfälle verhindern“

Die Kommunale Gesundheitskonferenz im Kreis Höxter bleibt ihrer Linie treu: „Uns geht es vor allem um die Information der Menschen“, sagt Kreisdirektor Klaus Schumacher als ihr Vorsitzender. Froh ist er deshalb, dass erneut Spitzenkräfte aus der Region daran mitwirken, die Bevölkerung zum Schwerpunktthema „Bösartige Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes“ aufzuklären.

„Der Dickdarmkrebs ist unter den Krebserkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland“, erklärt Dr. Marcus Rübsam, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, Gastroenterologie und Kardiologie am St. Josef Hospital Bad Driburg, als wissenschaftlicher Leiter der neu gegründeten Arbeitsgruppe. „Jeder 20. Bundesbürger erkrankt daran. Leider treten die durch den Darmkrebs ausgelösten Beschwerden in der Regel erst dann auf, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist. Deswegen ist es besonders wichtig, die entsprechenden Früherkennungsmaßnahmen durchzuführen, insbesondere auch dann, wenn noch keine Beschwerden vorliegen“, macht Rübsam deutlich, warum die Gesundheitskonferenz mit ihrer neuen Aktion die so wichtige Aufklärungsarbeit betreiben will. Dazu zählt zum Beispiel eine Telefonaktion am 16. September.

Sie wollen informieren (von links): Günther und Ingrid Kohrs von der Ilca-Selbsthilfegruppe, Chefarzt Dr. Florian Dietl, Traute Peters von der Ilca-Selbsthilfegruppe, Chefarzt Dr. Marcus Rübsam, Gerhard Gröne von der AOK NordWest, Chefarzt Dr. Harald Fischer, Kreisdirektor Klaus Schumacher und Alfred Wiemers, Geschäftsführer der Kommunalen Gesundheitskonferenz.Foto: Kreis Höxter

„Es ist immer noch zu wenig bekannt, dass die endoskopische Entfernung der Vorstufen den Krebs verhindern kann, außerdem haben früherkannte Tumorstadien gute Heilungschancen“, sagt Rübsam. Er bedauert, dass derzeit nur etwa jeder Vierte der Anspruchsberechtigten an der Darmkrebsvorsorge teilnimmt. „Das Vorsorgeprogramm in Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den umfangreichsten seiner Art. Etwa 90 Prozent aller Darmkrebsfälle könnten verhindert werden!“.

„Bösartige Erkrankungen kommen im Verdauungstrakt sehr häufig vor. Sie finden sich vor allem im Magen und im Dickdarm, deutlich seltener auch im Dünndarm“, ergänzt Dr. Florian Dietl, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirugie (Bauchchirurgie) am St. Josef Hospital Bad Driburg. „Sie können im Regelfall sehr gut behandelt werden, Voraussetzung ist jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose und ein sehr enges Zusammenspiel zwischen den internistischen und chirurgischen Ärzten.“ Bei einer Operation sei es das Ziel, die Tumore sicher komplett zu entfernen. „Zunehmend häufig ist dies sowohl am Magen- als auch im Dickdarmbereich minimal-invasiv, also mit der sogenannten Knopflochchirurgie, möglich“, sagt Dietl. „Damit können viele Patienten komplett geheilt werden.“

Eine wichtige Rolle im Genesungsprozess spielt die Rehabilitation. „Bei uns geht es darum, Patienten nach einer Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Verdauungstraktes möglichst schnell wieder fit zu machen für Alltag und Beruf“, erläutert Dr. Harald Fischer, leitender Arzt der Klinik Rosenberg in Bad Driburg. „Die jeweiligen Einschränkungen werden durch ein individuell dosiertes und angepasstes körperliches Aufbauprogramm behandelt.“ Dazu zähle die Weiterführung der im Krankenhaus begonnenen Behandlung ebenso wie die Minderung eventueller Schmerzen oder gegebenenfalls auch die Einleitung einer Chemotherapie. „Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Unterstützung bei der psychischen Verarbeitung einer Krebserkrankung“, sagt Fischer und setzt dabei ganz besonders bei Patienten mit einem künstlichen Darmausgang auf eine enge Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen. 

Traue Peters aus Holzminden sieht in der Ilco-Selbsthilfegruppe eine Anlaufstellte, auf die eigentlich kein einziger Stoma-Patient verzichten sollte. „Es ist schwierig genug, das Stoma anzunehmen“, berichtet sie aus ihrer eigenen Erfahrung, „umso wichtiger sind die wertvollen Informationen, die wir geben können und vor allem der Austausch mit Betroffenen.“ Deshalb soll nun auch eine Darmkrebs-Selbsthilfegruppe in Höxter gegründet werden. Dazu gibt es am Montag, 31. August, um 18.30 Uhr in den Räumen des Kinderschutzbundes am Berliner Platz ein erstes Treffen. Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen zur Ilco-Selbsthilfegruppe gibt es bei Traue Peters, Telefon 05531/3567, oder im Internet: www.ilco.de.
Als Kastentext
 

Männer als Vorsorgemuffel

Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung können Leben retten. Das ist hinlänglich bekannt. Doch insbesondere die Männer gehen eher leichtsinnig mit ihrer Gesundheit um. Auch eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest bestätigt, dass Männer in Westfalen-Lippe beharrliche Vorsorgemuffel sind. Nur etwa jeder vierte Mann über 45 Jahren (23,6 Prozent) war im vergangenen Jahr bei der Krebs-Früherkennung. Bei den Frauen hingegen lag der Anteil deutlich höher. Hier nutzten immerhin 40,8 Prozent die Früherkennungsuntersuchung ab dem Alter von 20 Jahren. „Sowohl Männer als auch Frauen sollten die Früherkennungsuntersuchungen besser nutzen, werden sie doch von den Krankenkassen vollständig bezahlt“, erläutert Gerhard Gröne, Abteilungsleiter der AOK NordWest Paderborn. Bei Frauen ab 50 und bei Männern ab 55 Jahren bestehe die Wahlmöglichkeit: Entweder können im Abstand von mindestens zehn Jahren zwei Darmspiegelungen (Koloskopien) durchgeführt werden oder alle zwei Jahre ein weiterer Schnelltest.